Was bisher geschah:

Türchen 14

Jetzt, wo sie gehalten war, bekam Henni noch Herzrasen ob ihres Mutes, der sie so ins Leere springen hatte lassen. Sie konnte sich gar nicht erklären, woher sie den Mut genommen hatte. Sie war nie die Mutigste gewesen, war immer etwas furchtsam. Oder ging es etwa gar nicht um Mut, sondern um Vertrauen?

Das verlorene Vertrauen

Woher kam auf einmal dieses Vertrauen, an dem es ihr im Leben seit langer Zeit mangelte. Damals hatte sie ihr Vertrauen verloren und es nie mehr gefunden. Mit heute schien sich das geändert zu haben. Sie vertraute wieder in das Leben und ein Gefühl von Hoffnung machte sich in ihr breit. Sie hatte dieses schwarze, zähe Damals mit diesem wagemutigen Schritt abgestreift. Endlich! Nach all den Jahren der Traurigkeit und Mutlosigkeit. Das Damals war ihr bis heute wie Kaugummi an der Schuhsohle geklebt. Aber jetzt, jetzt hatte sie es geschafft, es loszuwerden.

Struppis Tod – das Damals

Das Damals war der Tod ihres geliebten Hundes Struppi. Sie musste zusehen, wie dieser von einem Auto überfahren wurde. Das Gartentor war offen und Struppi jagte der Nachbarkatze hinterher über die Straße. Da hatte ihn das Auto erwischt. Sie war 11 gewesen und die Erwachsenen waren nur dagestanden und hatten nichts getan. Niemand rettete Struppi oder half ihm. Niemand tröstete sie. Ein alter Mann mit Vollbart und einem dicken Bauch meinte sogar, dass es ja nur ein Hund gewesen sei. Seitdem hatte sie kein Vertrauen mehr in die Menschen gehabt. Es hatte Spuren in Hennis Seele hinterlassen. Auch nach all diesen Jahren bekam sie noch Zustände, wenn sie alte Männer mit Vollbart und dickem Bauch sah.

Aber mit diesem Sprung ins Vertrauen würde sich das nun ändern. Da war sich Henni ganz, ganz sicher.

Türchen 15

Auf einmal hatte Henni das Gefühl mit ihrem Sprung die ganze Welt verändern zu können. Sie konnte es sich selbst nicht erklären, aber mit diesem Sprung hatte sie plötzlich ein unglaubliches Vertrauen, dass sie richtig entschieden hatte und ihr nichts passieren konnte.

Kurz kam ihr der Gedanke, dass sie immer wieder vor Situationen stand in denen sie dachte, JETZT würde sich alles verändern, JETZT hatte sie endgültig die Person gefunden der sie doch vertrauen konnte. Irgendwann stellte sich dann heraus, dass sie der Person doch nicht trauen konnte, oder sie stellte fest, dass sie doch wieder in alte Muster gefallen war. Ohne es zu merken und eigentlich auch ohne das sie es wollte. Es war einfach wieder passiert.

Sie hatte das Gefühl, dieser Flug endete nie. Das Gefühl der inneren Stärke, die plötzlich ihr inneres verletztes Kind an die Hand nahm wurde immer stärker. Sie nahm sich fest vor, dieses Gefühl für immer zu behalten…

Weiter geht es morgen in dem Blog von

https://stern-zeilen.jimdo.com/gedichte-und-geschichten-2019/t%C3%BCrchen-10

Das 5. Türchen

Adventkalender mit verschneiter Schlittenszene mit einem Rentier.

 Liebe Leserin, Lieber Leser. Zum 1. mal mache ich in diesem Jahr beim Adventskalender von Sabine Hinterberger mit. Diese hat das 1. Türchen geschrieben und die anderen Teilnehmer des Grünraums Blog-Adventskalender 2019 führen die Geschichte an jedem Tag im Dezember fort. In diesem Jahr geht es um Henni. Wie sich die Geschichte entwickelt, steht noch in den Sternen bzw. hinter den Türchen des Adventskalenders. Das letzte Türchen findet ihr hier:

Türchen 4 von Grünraums Blog-Adventskalender 2019

Was bisher geschah (in kursiv):

Scheiß Verspätung immer!“, schimpfte Henni und trat von einem Bein auf das andere. Es war bereits dunkel und dazu noch typisch nasskaltes Dezemberwetter. Zu allem Überfluss hatte sie auch noch keine Zigaretten mehr. Ihre ehemals wasserfeste Winterjacke, ein Geschenk von Uwe, dem alten Haudegen, hatte ihre besten Jahre auch hinter sich.
„Ach Henni!“, seufzte sie. Nur ihre Mutter rief sie mit ihrem vollem Namen Henriette. „Wir sind schon ganz schön alt geworden, wir beide.“ Sie merkte gar nicht mehr, dass sie mit sich selbst sprach.
Der Junge, der neben ihr im Buswartehäuschen stand, schaute sie irritiert an. Sie zuckte mit den Schultern und entdeckte in dem Moment auf der gegenüberliegenden Straßenseite eine beleuchtete Leiter, die an einen Baum gelehnt war.

„Junge, sieht du das auch?“, fragte sie. Er drehte demonstrativ seinen Kopf zur Seite. Henni seufzte erneut. Wo war sie nur hingegangen, die Phantasie der Menschheit, ihre Traumbereitschaft, ihr Wunsch, leuchtenden Leitern in den Himmeln zu folgen und dort wem auch immer zu begegnen. Sollte sie vielleicht noch einen Vorstoß wagen?

„Hast du mal eine Zigarette für mich?“ fragte sie vorsichtig den von ihr abgekehrten schmalen Rücken in seiner viel zu großen Felljacke. Ob er wohl glaubte, dass er eines Tages in diese Jacke hineinwüchse? Vielleicht führte die Leuchtleiter direkt zu seinem Ziel, dabei fiel Henni das Monopoly Spiel ein und den Spruch, den sie tausendmal zu Hause gesagt hat: „Gehen Sie direkt ins Gefängnis, gehen Sie nicht über Los!“

Der junge Mann drehte sich verwundert um…

Türchen 3:

Er zog den Stöpsel des In-ear-wireless-Kopfhörers aus seinem linken Ohr – Henni sah, dass seine Ohrmuschel sehr groß und an den Rändern ganz rot vor Kälte war.

“Wie bitte?”, fragte der Junge mit den großen Ohren. Henni führte ihre zwei zigarettenlosen Finger in einer Rauchergeste zum Mund. Der Junge verstand und schüttelte bedauernd den Kopf. In diesem Moment kam der verspätete Bus um die Ecke und rollte in gemächlichem Tempo auf die Haltestelle mit den zwei Wartenden zu. Der Junge kramte in den tiefen Taschen seiner Felljacke nach dem Fahrschein.

“Jetzt bist du gleich im Warmen, Henni”, murmelte Henni. Sie hatte keine Zeit sich zu wundern, warum der Bus an diesem geschäftigen Adventsabend im Innern dunkel war und ohne Passagiere zu fahren schien – und was hatten die gelb leuchtenden Buchstaben “L-E-V” in der Zielanzeige über der Windschutzscheibe zu bedeuten? Der Bus kam direkt vor ihrer Nase zu einem Halt und die Türen öffneten sich  mit einem hydraulischen Seufzen. Eine Frau in einer gelben Weste mit Reflexionsstreifen stieg aus und verstellte ihr den Weg zum Einsteigen. Die Türen des Busses schlossen sich zischend und das Gefährt verschwand in der regennassen Nacht.

“Was soll das?”, wollte der Junge wissen und stapfte ungeduldig von einem Fuß auf den anderen.

“Heute haben wir Leiter-Ersatz-Verkehr”, verkündete die Frau und deutete auf den Baum, an dem die leuchtende Leiter lehnte.

Türchen 4:

„Leiter-Ersatz-Verkehr??????“, fragte Henni und man konnte richtig hören, dass Henni sechs Fragezeichen angehängt hatte. Sie schüttelte den Kopf und wunderte sich nur mehr. Die  ganze Situation kam ihr etwas gar spooky vor. Doch wusste sie nun wenigstens, dass sie nicht die Einzige war, die die scheinbar in den Himmel reichende leuchtende Leiter sehen konnte.

Ihr fiel ein Stein von Herzen, weil sie seit einiger Zeit immer wieder in Situationen kam, in denen sie an ihrem Verstand zweifelte. Aber darüber wollte sie gerade jetzt nicht nachdenken. Damit würde sie sich ein anderes Mal auseinandersetzen.

Nun hatte sie ja  eine Zeugin, die auch die Leiter sah, somit konnte es mit ihrem Verstand noch nicht so schlimm sein. Wobei Henni ganz unruhig wurde, als sie die Frau etwas genauer betrachtete. Kannte sie diese Frau? Hatte sie sie schon einmal gesehen? Henni konnte nicht sagen, was es war. Aber irgendwas kam ihr an der Frau komisch und auch bekannt vor. Neben den Fragen zu der Frau waren noch die Fragen zu klären, was ein Leiter-Ersatz-Verkehr sei und wohin der Bus verschwunden war.

Wenn sie doch nur eine Zigarette hätte, das Nachdenken fiel ihr beim Rauchen immer leichter. Aber sie hatte vor zwei Monatenzu rauchen aufgehört. Sicher, sie hatte den Jungen um eine Zigarette gefragt. Doch das war eher zur Gesprächsanbahnung gedacht gewesen. Sie musste mit irgendwem reden. Henni fühlte sich total verwirrt und verloren. In ihrem Kopf sausten die Fragen herum wie die Bienen vor dem Bienenstock.

Und wieder tauchte in Henni der Zweifel an ihrem Verstand auf.

Türchen 5:

Die Gedanken in ihrem Kopf überschlugen sich regelrecht. Warum nur hatte sie das Gefühl diese Frau zu kennen? Warum fühlte sie sich so verbunden mit ihr? Sie, liebe/r Leser/in haben bestimmt auch schon dieses seltsame Gefühl von Verbundenheit gespürt, dieses Gefühl das Gegenüber genau zu kennen, obwohl sie ihm/ihr noch nie begegnet sind. Dieses Gefühl dem Gegenüber alles erzählen zu können, weil Sie einfach glauben, dass es richtig ist diesem Menschen zu vertrauen. Aber zurück zu Henni und der leuchtenden Leiter.

Ein Leiter-Ersatz-Verkehr musste ja zwangsläufig etwas mit der leuchtenden Leiter auf der anderen Straßenseite zu tun haben. Sie war neugierig und ängstlich zugleich. Sie hatte das Gefühl etwas verbotenes zu tun, wenn sie nur einen Schritt in die Richtung des Baumes machen würde an dem die Leiter lehnte. Gleichzeitig wollte sie aber auch wissen, was es mit dieser Leiter auf sich hatte jetzt wo auch diese mysteriöse Frau aus dem Bus diese Leiter zu sehen schien.

Sie blickte in die Richtung des Jungen den sie zuvor nach einer Zigarette gefragt hatte. Dieser schien schwer genervt zu sein, dass der Bus einfach ohne ihn los gefahren war und er nicht weiter fahren konnte. Gleichzeitig erkannte Henni plötzlich, dass der Junge neben ihr die Leiter gar nicht zu sehen schien und die Frau vor sich anschaute, als wenn diese von einem anderen Stern wäre.

Henni nahm allen Mut zusammen und sprach die vor ihr stehende Frau an…

Morgen geht es hier weiter

 

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Erwartungen

Haben wir (unbewusst) an alle um uns rum

Haben wir an Menschen die uns ähnlich sind ohne das wir das merken

Haben wir an das was wir sehen, hören und fühlen

Gucken wir eine x-beliebige Show denken wir vorher darüber nach was wir erwarten

Makellos schöne Sänger, Schauspieler und Moderatoren

Überzeugt uns aber die Show restlos ist uns alles andere egal

Erst hinterher fällt uns auf, das xy gar nicht so perfekt ist wie wir dachten

Wir hatten es nur so erwartet

Wir verlieben uns unsterblich in eine Person

Unser Umfeld hat nicht erwartet das es das gleiche Geschlecht ist oder das es doch der Typ ist den die beste Freundin nicht mag

Was uns betrifft verlieben wir uns mit der Zeit immer mehr ineinander

Das hatten wir SO nicht erwartet

Haben wir an andere ohne selbst bereit dazu zu sein uns selbst zu ändern

Sprechen wir viel zu selten aus und machen uns somit Bauchschmerzen

Hat man an uns damit sich etwas ändert

Oft sind sie aber viel zu hoch und wir merken es nicht einmal, weil wir mithalten wollen

Fühlen uns oft verletzt weil andere unsere Erwartungen nicht erfüllen

Ändert sich etwas denken wir gleich, es ändert sich alles

Ist er still weil er sich erstmal alles ansehen möchte, erwarten wir das dies auch immer so bleibt

Im Stillen hatten wir es so erwartet

Ärgern uns im Nachhinein selber über uns das wir den Gedanken überhaupt hatte

n

Haben wir an unsere Familie, Freunde und Kollegen

Aber warum nicht einmal ohne Erwartungen an die Sache rangehen?

Der Auslöser

Der Auslöser

Die letzten Jahre vor der Ausbildung nur als Schrecken ohne Ende erlebt zählt heute jedes kleinste Wort
Jedes kleinste Wort kann wirken wie eine Nadel beim Arzt.
Eine Nadel aber die viel tiefer sticht als die zum Blutabnehmen
Blutabnehmen ist da fast wie ein Kindergeburtstag
Oft sind es sogar Worte die von tollen Menschen kommen und gar nicht so böse gemeint waren
Aber man ist halt vorsichtig geworden
Vorsichtig und verletzbar
So verletzbar das man nach mancher Aussage in ein großes Loch fällt
Ein Loch aus dem ich manchmal tagelang nicht rauskomme
Das einzige was etwas bringt und mich nicht so tief fallen lässt ist meine Schutzhülle und konsequente Gegenwehr
Gegenwehr die manchmal auch den falschen trifft
den falschen der selber seine eigenen Probleme hat.
Man wird gebeten ein „Stop“ zu geben, wenn es zu viel wird
schwierig wird es nur, wenn man selbst im Gegensatz zu anderen nicht dazu in der Lage ist

Gedanken

Da ist sie wieder

Diese Laune die mir alles vermiest

Diese Laune die mich in dem Glauben lässt, dass ich nur weinen könnte

Diese Laune deren Ursprung ich manchmal gar nicht erkennen kann

Diese Laune die mich vergessen lässt, dass andere auch noch ein Leben haben

Diese Laune mit der es so schwer ist das Leben, den Tag zu meistern

Diese Laune die ich so oft verschweigen muss

Echte Freunde

Sind die die bleiben wenn’s bergab geht
Sind die die in handfesten Krisen bleiben
Sind die denen bewusst ist das sie sich rar gemacht haben als Freund/in
Sind die die sich selber gerade wieder herstellen und für einen da sind
Sind vollkommen unerwartet Menschen die wir nicht im Plan hatten

When love takes over

Seit der weiterführenden Schule kenn ich dich
Auf dem internat traf ich dich wieder
Nach über einem weiteren Jahr plötzlich der große Knall
Bei mir zumindest
Du lässt dir ungern hinter die Fassade blicken
Nach einigen Monaten dann das unerwartete Gespräch mit der Betreuung
Ich kann den Inhalt des Gesprächs immer noch nicht ganz glauben
Im ersten Moment fühlte es sich aber an, als wenn mir der Boden unter den Füßen weggezogen wird
Ich wollte Abstand, bekam ihn aber auf Grund der örtlichen Nähe zwischen uns nicht
Dann das Ende der Schulzeit
Wir verloren uns aus den Augen
Dann eines Abends dein Anruf
Ich war sehr unsicher wie ich damit umgehen sollte
Zum Glück gabst du dich jahrelang damit zufrieden alle paar Wochen oder Monate bei mir anzurufen, ohne das du etwas gefordert hättest
Auf einmal wurde das Band zwischen uns wieder stärker
Du fordertest mich auf, mich auch mal bei dir zu melden
Ich tat mich sehr schwer damit
Ich wusste einfach nicht ob ich noch einmal in der Lage wäre die Kontrolle zu verlieren
Doch halt
Warum Kontrolle verlieren?
Ging es doch erst einmal um mehr Kontakt
Ich willigte ein
Als du nach deiner Kur endlich da zu bereit warst auch mit mir zu schreiben vertiefte sich das Verhältnis
Ich war fein damit
Genoss die innigen Telefonate und Schreibereien
Doch immer mehr verliere ich die Kontrolle
Dabei ist doch das, genau das was ich so hasse

Eigene Wertschätzung

 

Eigene Wertschätzung

Frau Schneider im Büro hat schlechte Laune, lässt sie an mir aus, nach dem Arbeitstag fühle ich mich minderwertig.
Die Dame von der Krankenkasse am Telefon sollte lieber nicht im Service arbeiten, nach dem Telefonat hab ich selber schlechte Laune.
Ganz hinten am Ende der Schlange blafft die junge Frau: “wann geht’s denn endlich weiter, ich habe es eilig“, bei dem ganzen Stress der um mich herum herrscht fühle ich mich unwohl, fast auch schon gestresst
Meine Medikamente machen mich agressiv, mein ganzer Körper bekommt das zu spüren
Sätze wie: “du hast schon wieder nicht…“ “wann machst du denn endlich….“ “du hast das schon wieder falsch verstanden/gemacht“ machen mich manchmal sehr fertig.
Ich esse und esse, weil ich Hunger habe der nicht zu stillen zu sein scheint. Wie es meinem Körper dabei ergeht, darüber denke ich in diesem Moment nicht nach.

In unserem Alltag treffen wir immer wieder und vermutlich auch immer mehr auf Menschen die uns mit ihrer Art negativ beeinflussen. Viel zu oft tun wir uns aber auch selber Dinge an die uns schaden. Manchmal ist uns das bewusst und wir können es nicht ändern. Manchmal müssen wir aber auch mit der Nase drauf gestoßen werden. Dabei fängt Wertschätzung eigentlich am besten immer bei uns selbst an. Vorrausgesetzt, wir akzeptieren uns wie wir sind. Denn da liegt oft schon der Hase im Pfeffer

Panik

Ohne meine Panikattacken könnte ich in gewissen Situationen besser atmen

ohne meine Panikattacken könnte ich entspannter sein

ohne meine Panikattacken könnte ich besser denken

ohne meine Panikattacken wäre alles leichter

ohne meine Panikattacken hätte ich auf der Arbeit weniger Probleme

ohne meine Panikattacken hätte ich in Gruppen weniger Probleme zu reden

ohne meine Panikattacken ginge es mir besser

ohne meine Panikattacken würde ich mich weniger aufregen

Wenn ich nicht so viel nachdenken würde

Wenn ich nicht so viel nachdenken würde wäre ich nicht so unruhig, ich könnte Freude viel besser empfangen und zeigen. Ich wäre trotzdem bei mir, aber auf eine andere, positivere Art. Andere würden durch meine Unruhe nicht angesteckt werden und ich könnte friedlicher mit unterschiedlichsten Situationen umgehen. Allerdings hat die Unruhe auch was Gutes. Ich bin zwar nicht so konzentriert, kann aber mehr erledigen. Die Unruhe ist irgendwie auch Energie. Wie ein Steuer, dass mich von Zeit zu Zeit durch mein Leben lenkt. Ich würde mir aber weniger Sorgen machen. Die mache ich mir, weil ich das Gefühl habe, dass ich nicht ich bin, wenn ich so bin. Das alles ist wie ein Störfried. Jemand der immer weder Platz fordert. Wie ein ungebetener Gast, der sich unter den Tisch säuft und sich danebenbenimmt. Ich bin oft nicht ich. Vor allem wenn es mir nicht gut geht und ich nicht will, dass man das merkt. Vor allem und in erster Linie aber, weil ich mich nicht so mag und nicht so annehmen kann wie ich bin.

Ich bin nicht ich, wenn… Von klein auf lernte ich zu funktionieren. Ich war traurig, weil ich mich schon wieder nicht mit jemandem treffen konnte. Das ist halt so. Meine Tante und mein Onkel starben nacheinander. Das ist der Lauf der Dinge. Gefühle wurden gerade von der männlichen Seite der Familie nicht akzeptiert. Immer wieder. Störenfriede. Auch Gefühle genannt, hatten da gar keinen Platz. Ich aber auch keine Zeit mich mit mir selber zu beschäftigen. Umso mehr stelle ich erst heute richtig fest, dass ich mich nicht so mag wie ich bin.

Ständig wütend, ständig unruhig und/oder depressiv, nicht liebenswert. Unruhe und Depressionen. Wahrscheinlich hat lange schon beides zu mir gehört. Wenn Ichs so überblicke, war ich oft traurig. Traurig, weil ich das Gefühl hatte mit meinem Bruder nicht mithalten zu können. Traurig, weil in den Ferien niemand zu Besuch kam. Geschweige denn zu meinem Geburtstag. Jedes Jahr ein Trauerspiel. Ich lud ein und keiner kam. Vermutlich konnte ich das damals noch nicht so benennen. Aber ich vermute mal, dass das ganz viel mehr als nur Traurigkeit in mir ausgelöst hat. Wenn ich dies jedoch zeigte kam jedoch nur Unverständnis also versuchte ich auch nicht mich weiter damit zu beschäftigen.

Auch die ganzen Schicksalsschläge in meinem Leben hatte ich gefühlt jahrelang nicht überwunden. Auch die immer wiederkehrenden Streitgespräche mit meinem Bruder ließen mich an mir zweifeln. Machten mich jahrelang traurig. Vielleicht oder ganz bestimmt war auch da mehr als nur Traurigkeit. Zu dem kommt, dass ich immer schon zu viel zu schnell wollte. Und vor allem perfekt musste es sein. Sonst war es mir nicht gut genug. Je älter ich wurde hatte ich immer wieder das Gefühl, dass da irgendwas in mir tobte wie ein Wirbelsturm. Ich konnte es nur nicht definieren. Fühlte mich nur ständig abgekämpft, vor lauter innerer Unruhe. Dabei meine ich nicht die Unruhe die auftritt, bevor man eine Prüfung schreibt. Natürlich auch ein unangenehmer Zeitgeist. Aber da weiß man ja woher sie kommt und das sie wieder geht. Diese Unruhe die einen ins Ungleichgewicht bringt. Die innere Unruhe die einem das Gefühl gibt, dass man einen Marathon gelaufen ist. Diese Unruhe die eigentlich, wenn Ichs mir überlege viele Ursachen hat. Da sind Ängste. Viele verschiedene. Bindungsangst, Angst davor was falsch zu machen. Angst davor nicht angenommen zu werden. Angst einen wichtigen Menschen zu verlieren und damit nicht klar zu kommen. Angst davor eine Situation nicht mehr kontrollieren zu können. Allein schon bei diesen unterschiedlichen Ängsten denke ich immer wieder, dass ich das doch eigentlich unmöglich sein kann. Das ich doch so gar nicht funktionieren kann. Ähnlich wie wenn ich wütend bin. Ich erschrecke mich dann vor mir selber, kann es aber oft nicht verhindern. In mir fühlt sich dann alles an wie ein Vulkan. Und der muss platzen. Anders bekomme ich das Gefühl nicht aus mir raus. Auch die Depressionen lassen sich nicht wirklich steuern. Schon beim Aufwachen bemerke ich eine tiefe Traurigkeit in mir. Oft mit dieser Unruhe verbunden. Sogar wenn es jemand schafft mich auf andere Gedanken zu bringen fühle ich mich schlecht. Immerhin stecke ich doch eigentlich gerade in einer schlechten Phase und die meisten wissen das. Da kann ich doch nicht auf einmal gut gelaunt sein. Auf der anderen Seite gehört diese Phase irgendwie auch nicht zu mir. Ich bin das nicht, ich will das nicht sein. Allerdings habe ich nur wenig Einfluss auf alles.